Heringen (Werra):
Chorprobe für Bezirkssängerfest am 26. Mai

Kunst, Kultur & Soziales

Ein Artikel von Heike Eitzert (pm)

Der Gemischte Chor 1909 Leimbach (kurz: „GemCL“) lädt anlässlich seines 110jährigen Bestehens zu einem Bezirkssängerfest in das Heringer Bürgerhaus am 26. Mai 2019, ab 14.00 Uhr ein. DER EINTRITT IST FREI!

Rege Teilnahme und viele, viele Zuhörer sind erwünscht. Die Bergmannskapelle Wintershall unter Leitung von Felix Waldmann und die Alphornbläser aus Geisa tragen zum Gelingen bei. Für das leibliche Wohl in Form von Speisen vom Grill, Kaffee und selbstgebackenen, zur Verfügung gestellten Kuchen und vielfälti-gen Getränken wird bestens durch den neuen Bürgerhauspächter gesorgt.

Alle Chöre des Sängerbezirkes Werratal haben ihre Mitwirkung zugesagt und bereiten sich in intensiven Chorproben auf ihre Vorträge vor. Insgesamt 12 Chöre aus Heringen, Herfa, Kleinensee, Lengers, Leim-bach, Widdershausen und Wölfershausen sowie aus Friedewald und Philippsthal werden ihr Bestes geben, um die Anwesenden zu unterhalten, aber auch zu überzeugen, dass Chorsingen – gerade in der heutigen, schnelllebigen, immer stressigeren Zeit – ein angenehmer Ausgleich ist, Freude zu erleben, Spaß zu haben, gemeinsam etwas zu erreichen und vor allem die Gesundheit zu beleben. Ja, es sind Verpflichtungen und Auftritte, die zu bewältigen sind, für die man sich Zeit nehmen sollte, jedoch sind dies aber auch die Mo-mente, die einen stolz machen, eine Zufriedenheit geben, wo man zeigen kann, was man gelernt hat, die – alles in Allem – das Salz in der Suppe sind. Die altbewährten Dinge nicht immer abtun, sondern Handeln und neue Wege gehen, dies ist der Grundsatz aller Chormitglieder, die mit ihrem Singen dies zum Ausdruck bringen möchten.

Lust auf Singen? Kommt, singt mit!

In der gemeinsamen Chorprobe der Gemischten Chöre des Sängerbezirkes am Dienstag, 16.04.2019, im Leimbacher Gemeinschaftshaus unter Leitung von Chorleiter Christian Wiegand war diese Freude, dieser Enthusiasmus, mit Jung und Alt etwas erreichen, ganz deutlich spürbar. Ca. 70 Sänger/innen konzentrierten sich in diesen 1 ½ Stunden auf den Chorleiter, um das Geforderte gesanglich umzusetzen, seinem Dirigat zu entsprechen. Im Anschluss blieb man noch kurzweilig zu angenehmen Gesprächen zusammen, um sich auszutauschen und die aufgebaute Spannung gesellig abzubauen.


Foto: Chorprobe

Nunmehr ein kurzer Abriss der 110jährigen Vereinsgeschichte

Am 10. Januar 1909 scharte Johannes Strube in der damals 130 zählenden Gemeinde Leimbach 23 aktive Sänger und 4 passive Vereinsmitglieder um sich, um den Männergesangverein „Niegedacht“ ins Leben zu rufen. „Niegedacht“ aus dem Grunde, da man damals „nie gedacht“ hätte, daß ein Männerchor in diesem kleinen Dörfchen existieren konnte. Schon am 02. Februar 1909 begann Herr Lehrer Noll, der bis zum Jahre 1913 den Chor leitete, mit den regelmäßigen Chorproben.

Geübt wurde damals bei trübem Petroleumlicht in der Gastwirtschaft der Familie Strube, die dem Chor über 90 Jahre ihre Räumlichkeiten zum wöchentlichen Singen unentgeltlich zur Verfügung stellten. Der Raum im alten Gemäuer war seinerzeit so niedrig, dass der Geigenbogen des chorleitenden Lehrers Noll oftmals die Decke berührte. Ab Januar 2003 finden die wöchentlichen Proben im städtischen Gemein-schaftshaus in Leimbach statt. Auch bei dieser Gelegenheit gleichzeitig ein herzliches Dankeschön der Stadt Heringen (Werra), die immer ein offenes Ohr für die Belange der hiesigen Vereine hat.

Einer besonderen Erwähnung bedarf es, dass der im März 2006, damals 104jährig, verstorbene Ehrenchor-leiter Ludwig Eitzert noch der einzige Überlebende in Leimbach war, der den ersten öffentlichen Auftritt des Männerchores unter der Dorflinde, die das Wahrzeichen des Dörfchens war, als 7jähriger Junge miter-lebt hatte. Er trat dem Chor als 16jähriger bei und war gleichzeitig ältestes Mitglied des GemCL.

Einen Aufschwung erlebte der Chor nach dem 1. Weltkrieg, so konnte bereits im Jahre 1921 die Vereins-fahne geweiht werden, die 1969 mit großem Aufwand für den Gemischten Chor umgearbeitet wurde.

Musikalisch geleitet wurde der Chor von 1913 bis 1914 von Lehrer Sand sowie von 1919 bis 1939 = 20 Jahre von Lehrer Schnitzerling. Als Vorsitzende während dieser Zeit waren Hans und Adam Strube tätig. Den 1. Weltkrieg überstanden, scheiterte er dann aber am 2. Weltkrieg, denn viele Sänger kehrten aus den bei-den Weltkriegen nicht mehr in ihre Heimat zurück, und der Männerchor musste kapitulieren.

Aber schon im Jahre 1944 – noch während des 2. Weltkrieges   wurde der Chorgesang in Leimbach wieder lebendig und Ludwig Eitzert, der dem Chorgesang im Ort viel Freizeit und persönliches Engagement opfer-te, welches ihm auch sehr viel Selbstdisziplin abverlangte, gründete aus dem damaligen Männergesang-verein „Niegedacht“ im Rahmen einer Unterschriftsaktion von Haus zu Haus den Gemischten Chor Leim-bach und leitete diesen als Chorleiter annähernd 20 Jahre, bis er aus gesundheitlichen Gründen den Takt-stock im Jahre 1963 an Karl-Heinz Scheffel übergab. Ab 1964 zeichnete Werner Eitzert bis 1966 verantwort-lich.

Herausragende Ereignisse in der Chronik sind einige Chorkonzerte in der Heringer Kirche sowie mit ande-ren Vereinen aus der Region, die in den 50er und 60er Jahren und auch darüber hinaus stattfanden, des weiteren auch die über viele Jahre durchgeführten Sommerfeste im landschaftlich schöngelegenen Hundswinkel in der Gemarkung Leimbach und der bereits auch seit über 30 Jahren für die ältere Bevölke-rung in Leimbach veranstaltete Seniorennachmittag, heute Adventsnachmittag, mit entsprechenden Pro-grammpunkten. Die stattgefundenen Hutzelfeuer und Kartoffelfeste nicht minder erwähnenswert.

Heinrich Nölker übernahm im Jahre 1966 für 24 Jahre, in denen er den Chor besonderes prägte, die Regie, die er dann im Jahre 1990 – ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen – in jüngere Hände legte, nämlich in die von Rolf Eitzert, der nach 25 Jahren aus gesundheitlichen i. V. mit beruflichen Gründen mit einem wei-nenden Auge, aber auch mit einem lachenden Auge bezogen auf den Blickwinkel eines neuen Chorleiters im Interesse neuer Chorsänger/innen, den Taktstock abgab, der aber auch weiterhin als Tenorsänger mit seiner Stimme und seinen Erfahrungen zur Verfügung steht. Auf der Suche nach einem neuen Chorleiter übernahm für eine kurze Zeit Rainer Barth aus Fernbreitenbach die musikalische Leitung bis aufgrund eines Zeitungsaufrufes
durch den Chor im Jahre 2015 Christian Wiegand aus Hohenroda-Mansbach, aus Würzburg in seinen Heimatort zurückkommend, aufmerksam und hellhö-rig wurde. Seit November 2015 dirigiert nunmehr Christian Wiegand, Musiker aus Leib und Seele, den GemCL mit Herzblut und ausstrahlender Freude am gemeinsamen Singen.

Die umfangreichen und vielfältigen Vorstandstätigkeiten begleiteten 22 Jahre Fritz Rudolph und 26 Jahre Erich Eitzert, die diese Aufgaben mit äußerster Gewissenhaftigkeit und Zufriedenheit aller vertrauensvoll ausgeführt haben. Freunde und Gönner des Chorgesangs unterstützten sie auf ihren Wegen.

Im März 1994 wurde H. Eitzert mit dem Vorstandsamt betraut. Unter ihrer Regie wurden die 90-, die 100- und nunmehr die 110jährigen Jubiläumsfeierlichkeiten mit hervorragender Unterstützung aller Vorstands-mitglieder und Chormitglieder durchgeführt. Die Aufarbeitung der 100jährigen Vereinsgeschichte in Form einer geschichtsträchtigen und informativen 155 Seiten umfassenden Festschrift im Jahre 2009 stammt aus ihrer Hand und zeichnet die jahrzehntelange, über 100jährige Aktivität und kulturelle Arbeit des ortsältes-ten Vereins in seinem Heimatort Leimbach auf.