Landkreis Hersfeld-Rotenburg:
Arbeitslosigkeit steigt weiter an / Jobchancen trotz Stellenrückgang

Wirtschaft

Ein Artikel von Redaktion (pm)

Erwartungsgemäß ist infolge der Corona-Pandemie die Arbeitslosigkeit in Waldhessen erneut stark angestiegen.  Im Mai waren in der Region Hersfeld-Rotenburg 2.761 Personen arbeitslos. Dies waren 200 mehr als im April (+7,8 Prozent) und knapp 17 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,3 Prozent (Vormonat: 4,0 Prozent; Vorjahr: 3,7 Prozent).
Die negative Entwicklung hat sich auf alle Personengruppen ausgewirkt. Frauen waren vom Anstieg der Arbeitslosigkeit weniger betroffen als Männer, da sie häufiger in der Alten- und Krankenpflege tätig sind. Am stärksten trifft die Krise jüngere Menschen unter 25 Jahren. Waldemar Dombrowski, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, zeigte sich bei einer Pressekonferenz in Fulda besorgt: „Leider wurden relativ viele Frauen und Männer nach Abschluss ihrer Ausbildung vom Betrieb nicht übernommen. Zudem trifft zu Beginn einer Krise die Arbeitslosigkeit zunächst vor allem Beschäftigte mit geringer Berufserfahrung beziehungsweise mit kurzer Betriebszugehörigkeit. Eine zeitnahe Integration dieser Menschen in den Arbeitsmarkt sehe ich als große Herausforderung, da wir die Folgen der Pandemie bis ins nächste Jahr spüren dürften.“

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit vollzog sich in beiden Rechtskreisen, wobei der Zuwachs im Bereich der Arbeitslosenversicherung wegen der Ansprüche auf Arbeitslosengeld I deutlich höher ausfällt. Bei der Arbeitsagentur sind momentan 1.230 Personen arbeitslos gemeldet (+338 gegenüber dem Vorjahr), das Jobcenter des Landkreises Hersfeld-Rotenburg zählt 1.531 Arbeitslose (+62 zum Vorjahr).

Stellensituation

Trotz aller Unwägbarkeiten haben Arbeitgeber aus der Region im Mai 242 offene Stellen gemeldet. Dies bedeutet einen Rückgang von fast 48 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Bestand an offenen Stellen reduzierte sich binnen Jahresfrist um 38,2 Prozent auf 1.309. Gesucht werden unter anderem Fachkräfte in Bau- und Baunebenberufen, im Metallbau sowie Berufskraftfahrer (häufig mit Kenntnissen in Wechselbrücke). Auch in der IT-Branche sind kaum Auswirkungen der Corona-Pandemie spürbar, ebenso wird Personal im Bereich Lager und Logistik und im Groß- und Einzelhandel (Lebensmittel) gesucht. Kaum Bedarf an Personal melden wegen der Auflagen die Gastronomiebetriebe der Region. Nahezu die gesamte Branche befindet sich in Kurzarbeit.

Die Lockerungen haben hier noch nicht zu wesentlichen Veränderungen geführt.

Kurzarbeit

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind seit Mitte März 1.067 Anzeigen eingegangen, die sich auf 12.399 Beschäftigte beziehen. Da die konkrete Beantragung und Bearbeitung des Kurzarbeitergeldes nachträglich erfolgt, wird man erst in den nächsten Wochen und Monaten exakt sagen können, wie viele Beschäftigte in welchem Umfang tatsächlich von Kurzarbeit betroffen waren. Die Agentur für Arbeit geht davon aus, dass die faktische Inanspruchnahme insgesamt unterhalb der angezeigten Beschäftigtenzahl liegen wird.