Schulden, Risiken, Realität – ein Faktencheck zur finanziellen Situation der Stadt Heringen
WGH warnt vor steigender Verschuldung und unrealistischen Annahmen
In einer Presseerklärung in der Hersfelder Zeitung vom 17.02.2026 behauptet Bürgermeister Daniel Iliev, die Stadt Heringen habe in den vergangenen zehn Jahren rund 38 Millionen Euro Schulden abgebaut. Die Gesamtverschuldung sei demnach von 110 Mio.€ (31.12.2016) auf etwa 72 Mio.€ (31.12.2024) gesunken.
Diese Darstellung ist jedoch irreführend. In den 110 Mio.€ sind rund 39 Mio.€ an Kassenkrediten und sogenannten Haushaltsermächtigungen enthalten. Haushaltsermächtigungen sind aber keine Schulden, sondern lediglich Ausgabebefugnisse – vergleichbar mit einem Dispokredit, der erst dann zur Belastung wird, wenn er tatsächlich in Anspruch genommen wird.
Nach sorgfältiger Prüfung ergibt sich ein anderes Bild: Der tatsächliche Schuldenstand der Stadt Heringen betrug zum 31.12.2016 insgesamt 74,8 Mio.€. Diese setzen sich zusammen aus 54,6 Mio. € Kommunalkrediten, 15,2 Mio. € Schulden der Stadtwerke sowie 5 Mio. € Kassenkrediten. Zum 31.12.2024 beläuft sich die Verschuldung auf 76,6 Mio.€ – bestehend aus 72,3 Mio. € Kommunalkrediten und 4,37 Mio. € Verbindlichkeiten aus dem Sondervermögen Hessenkasse. Eine genaue Bezifferung kann erst nach Abschluss der derzeit noch laufenden großen Baumaßnahmen und Ausbuchungen erfolgen, so dass ein Schuldenstand von 82 Mio. Euro realistisch erscheint.
Zwischen 2016 und 2024 wurden zwar auf der einen Seite Schulden reduziert, aber auf der anderen Seite neue Schulden aufgebaut. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 11.000 Euro bleibt die Haushaltslage äußerst angespannt. Der vom Bürgermeister vorgelegte Haushaltsentwurf 2026 weist zudem ein Defizit aus. Der Haushaltsausgleich gelingt erneut nur durch den Rückgriff auf nahezu vollständig aufgebrauchte Rücklagen, während gleichzeitig die Gewerbesteuereinnahmen massiv einbrechen.
Besonders kritisch bewertet die WGH den Ansatz der Gewerbesteuererträge, die vermutlich deutlich geringer ausfallen und somit die Haushaltslage noch verschärfen. Für 2025 mussten ursprünglich veranschlagte 6,58 Mio.€ bereits auf lediglich 913.000 € korrigiert werden.
Hinzu kommt eine jährlich steigende Zinslast, die sich inzwischen der Marke von 2,5 Mio.€ nähert. Diese Entwicklung bindet erhebliche Mittel und schränkt den finanziellen Handlungsspielraum der Stadt weiter ein. Viele Bürgerinnen und Bürger stehen selbst unter erheblichem finanziellen Druck – zusätzliche Steuer- oder Gebührenerhöhungen lehnt die WGH daher entschieden ab.
Die WGH ist überzeugt, dass Heringen diese schwierige Phase bewältigen kann. Voraussetzung ist jedoch ein ehrlicher, transparenter und realitätsnaher Umgang mit den Zahlen. Nur auf dieser Grundlage kann eine konstruktive Zusammenarbeit aller politischen Kräfte gelingen, um tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Die WGH steht bereit, Verantwortung zu übernehmen und die notwendigen Entscheidungen mitzugestalten. Es geht nicht um parteipolitische Rituale, sondern um die finanzielle Stabilität und die Zukunft unserer Stadt. Heringen braucht jetzt einen klaren Kurswechsel – für Transparenz, Verlässlichkeit und eine nachhaltige Finanzpolitik.