Landkreis Hersfeld-Rotenburg:
Geringerer Anstieg der Arbeitslosigkeit als im Vorjahr – Jüngere betroffen

Wirtschaft

Ein Artikel von Redaktion (pm)

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Juli angestiegen, wobei der Anstieg deutlich niedriger als im Vorjahresmonat ausfiel. Derzeit sind 2.810 Menschen in der Region arbeitslos – 51 mehr als im Juni (+1,8 Prozent). Die Arbeitslosigkeit liegt um 14,2 Prozent höher als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote beträgt 4,4 Prozent (Vormonat: 4,3 Prozent; Vorjahr: 3,8 Prozent).

Aufgrund der Ansprüche auf Arbeitslosengeld stieg die Arbeitslosigkeit ausschließlich im Bereich der Arbeitsagentur. Die Agentur für Arbeit verzeichnete im Juli 1.326 Arbeitslose und somit 119 mehr als im Juni (+9,9 Prozent), das Kreisjobcenter 1.484 Arbeitslose, was einem Rückgang von 68 Personen entspricht (-4,4 Prozent).

Für den Zuwachs der Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vormonat macht Waldemar Dombrowski, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, insbesondere drei Faktoren verantwortlich: Den Halbjahreswechsel im Angestelltenbereich, das Ausbildungsende und die Sommerferien. Insgesamt ist die Arbeitslosigkeit vor allem bei Personen unter 25 Jahren (+53 auf 364 Personen) angestiegen. Vor einem Jahr waren es 24 weniger. Agenturchef Dombrowski sieht den Ernst der Lage, zeigt sich jedoch zugleich vorsichtig optimistisch: „Die Integration der Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen stellt im aktuellen Corona-Kontext eine besondere Herausforderung dar. Wenn die Wirtschaft in den nächsten Wochen weiter an Fahrt aufnimmt und kein erneuter Lock-down eintritt, dürften sich die Vermittlungschancen nach den Sommerferien verbessern.“ Erfreulicher Weise konnten im Juli 201 arbeitslose Menschen eine Beschäftigung aufnehmen. Das entsprach nahezu dem Juli in 2019 (203 Arbeitsaufnahmen).

Trotz der Präsenz der Krise ist die Einstellungsbereitschaft der Betriebe gegenüber dem Vormonat leicht angestiegen: Dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit liegen im Kreis Hersfeld-Rotenburg insgesamt 990 Stellen in nahezu allen Bereichen vor (Vorjahr: 1.450). „In der Region haben wir in der Phase von Covid-19 eine bemerkenswert stabile Arbeitsmarktlage. Im Hessenland und im Bund fallen die Steigerungen bei den Arbeitslosen deutlich höher aus. Ich hoffe, dass die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt wieder etwas mehr Fahrt aufnehmen wird und Beschäftigungschancen steigen werden. Allerdings bedarf es weiterhin eines günstigen Pandemieverlaufs“, so der Agenturchef.

Ausbildungsmarkt

Die Aktivitäten am Ausbildungsmarkt laufen weiterhin auf Hochtouren. Aktuell liegen der Arbeitsagentur rund 300 freie Ausbildungsstellen vor. „Auch wenn die meisten betrieblichen Ausbildungen in Kürze beginnen, gibt es gerade in der Region gute Chancen, in den nächsten Wochen eine attraktive Lehrstelle zu ergattern. Diese Chancen gilt es zu nutzen“, appelliert Ottokar Schwerdt, Teamleiter der Berufsberatung. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Fulda berät Ausbildungssuchende. Termine gibt es unter der kostenfreien Service-Rufnummer 0800 4 5555 00.

Kurzarbeit

Die Kurzarbeit ist nach wie vor das wichtigste arbeitsmarktpolitische Instrument zur Stabilisierung der Beschäftigungsverhältnisse. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind im Juli 17 Anzeigen von Betrieben auf Kurzarbeit eingegangen. Damit haben seit Mitte März insgesamt 1.137 Betriebe für 13.244 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Da die konkrete Beantragung und Bearbeitung des Kurzarbeitergeldes nachträglich erfolgt, wird erst in den nächsten Wochen und Monaten exakt feststehen, wie viele Beschäftigte in welchem Umfang tatsächlich von Kurzarbeit betroffen waren. Die Agentur für Arbeit geht davon aus, dass die faktische Inanspruchnahme insgesamt unterhalb der angezeigten Beschäftigtenzahl liegen wird.