Landkreis Hersfeld-Rotenburg:
Hausarztakademie unterstützt Pläne zur Neustrukturierung des MVZ

Regionales

Ein Artikel von Redaktion (pm)

Die hausärztliche Versorgung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg entspricht derzeit in den meisten Gemeinden dem Bedarf, allerdings wird sich die Situation in den nächsten Jahren extrem zuspitzen: Von den derzeit 81,5 Hausarztsitzen im Kreis müssen bereits bis Ende 2020 16 Sitze nachbesetzt werden - bis Ende 2030 sogar 57 Hausarztsitze. Das entspricht etwa 70 Prozent aller Hausärzte im Landkreis.

Bereits jetzt zeigt sich die prekäre Hausarztsituation in den Gemeinden Cornberg und Nentershausen. Um die Versorgung sicherzustellen, wird dort derzeit der „Medibus“ durch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen eingesetzt.

Für den ersten Vorsitzenden der Hausarztakademie Hersfeld-Rotenburg,  Dr. med. Martin Ebel, könne dies jedoch nur eine Übergangslösung sein: „Ein Medibus kann nie die gleiche Versorgung gewährleisten wie ein niedergelassener Arzt, weder in Bezug auf den zeitlichen noch auf den ärztlichen Leistungsumfang. Auch aus diesem Grund unterstützt die Hausarztakademie die Idee des Landkreises, das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) für Hausärzte zu öffnen.“

Auch die Anbindung des MVZ an den Landkreis werde durch die Hausarztakademie begrüßt. Somit könne positiver Einfluss auf die Versorgungssituation im gesamten Landkreis genommen werden und das MVZ wäre aus der Diskussion, von einem Krankenhaus-Konzern gesteuert zu werden, was in vergleichbaren Fällen hin und wieder öffentlichen Anlass zu kritischen Betrachtungen gegeben habe.

Grundsätzlich versuche die Hausarztakademie jedoch, eine persönliche Nachfolge für ausscheidende Hausärzte zu finden. Dies sei natürlich die beste Lösung. Und die bisherige Bilanz könne sich sehen lassen:

„Seit unserer Gründung 2011 haben wir sieben hausärztliche Niederlassungen, sieben Weiterbildungsstellen, eine Facharztniederlassung und für fünf Studierende das Praktische Jahr vermittelt! Aber es gibt schwierige Nachfolgesituationen, bei denen auch wir kaum helfen können“, äußert Ebel.

Aus Sicht der Ärzte der Hausarztakademie müsse jedoch im Rahmen der Übernahme beachtet werden, dass das MVZ nicht in Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten trete, sondern ausschließlich Hausarztsitze übernehme, für die zunächst kein interessierter Allgemeinmediziner gefunden werde. Hierbei müsse vorher immer das Gespräch mit den weiteren Hausärzten vor Ort gesucht werden.

„Durch das MVZ muss gewährleistet werden, dass sich ein angestellter Arzt bei Interesse später jederzeit mit seiner eigenen Praxis niederlassen kann und hierzu den Arztsitz aus dem MVZ nutzen darf“, erklärt Ebel. Ein finanzieller Ausgleich zwischen dem MVZ und dem Arzt könne in diesem Fall ermöglichen, dass insbesondere die Zulassung, die Räumlichkeiten und das Inventar von dem Kollegen dann eigenverantwortliche Tätigkeit weiter genutzt werden könnten.

Die Mitgliederversammlung der Hausarztakademie hat sich dafür ausgesprochen, den Prüfprozess zur Kommunalisierung des MVZ und dessen Öffnung für Hausärzte positiv zu begleiten, um zukunftsfähige Versorgungsmodelle zu ermöglichen.