Landkreis Hersfeld-Rotenburg:
Schere auf dem Ausbildungsmarkt öffnet sich immer weiter

Wirtschaft

Ein Artikel von Redaktion (pm)

Mehr Ausbildungsstellen, weniger Bewerber: Die Schere auf dem Ausbildungsmarkt in der Region Hersfeld-Rotenburg öffnet sich immer weiter. Im abgelaufenen Geschäftsjahr der Berufsberatung suchten über die Arbeitsagentur Bad Hersfeld 710 junge Frauen und Männer eine Ausbildungsstelle – 110 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Ausbildungsstellen hingegen, welche die Agentur für Arbeit akquiriert hat, lag mit 1.053 um 49 höher (+4,9 Prozent).

Rechnerisch kamen 148 Ausbildungsstellen auf 100 Bewerber. Damit stellte sich die Ausbildungsmarktlage für Bewerberinnen und Bewerber deutlich günstiger als im Bundes- und Hessendurchschnitt dar. Waldemar Dombrowski Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, zog gemeinsam mit den regionalen Netzwerkpartnern bei der Konferenz „Ausbildung und Qualifizierung“ in der Arbeitsagentur Bad Hersfeld eine gemischte Bilanz des Ausbildungsjahres 2018/19: „Einerseits konnten wir die Zahl der rekrutierten Ausbildungsstellen erneut erhöhen; die Ausbildungsbetriebe in unserer Region wollen sich in personeller Hinsicht zukunftsfähig aufstellen. Andererseits ist das Ungleichgewicht auf dem Ausbildungsmarkt noch einmal größer geworden, was den Fachkräftemangel perspektivisch verstärken dürfte.“ Die ursprüngliche Hoffnung, dass junge Flüchtlinge diese Entwicklung abschwächen könnten, hat sich bislang nur wenig erfüllt: Lediglich 15 Bewerberinnen und Bewerber hatten einen Fluchthintergrund. Vor einem Jahr waren es 28 gewesen.

Waldemar Dombrowski rät den Arbeitgebern, auch in anderen Regionen für ihre Ausbildungsplätze zu werben. Zur Förderung des Ausgleichs auf dem Ausbildungsmarkt und der beruflichen und regionalen Mobilität unterstützt die Bundesagentur für Arbeit  Auszubildende unter Umständen durch einen Zuschuss (Berufsausbildungsbeihilfe). Dies kann der Fall sein, wenn der bzw. die Auszubildende nicht mehr bei den Eltern wohnen kann, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit vom Elternhaus entfernt ist.

„Es gibt Regionen in Deutschland, in denen der Begriff Jugendarbeitslosigkeit noch existiert. Diese Potenziale gilt es zu heben“, bekräftigt der Agenturleiter.

Denn die für die jungen Menschen komfortable Situation stellt die regionale Wirtschaft vor große Herausforderungen, wenn es um die Suche nach ihren Fachkräften von morgen geht. Zum Geschäftsjahresende blieben 91 Ausbildungsstellen in 25 Berufen unbesetzt. Unter anderem werden noch Hotel-, bzw. Restaurantfachleute und angehende Maurer gesucht. Gute Chancen auf einen Ausbildungsvertrag hat auch, wer eine Ausbildung zum Fachverkäufer (Bäckerei) sucht oder Medizinische Fachangestellte werden will.

Nur 20 junge Frauen und Männer blieben ohne Lehrstelle oder eine schulische Alternative, wobei ein Großteil dieser Personen erst relativ spät auf die Berufsberatung zukam.

Die Bilanz der Daten zur Ausbildungsvermittlung bedeutet nicht das Ende der Vermittlungsaktivitäten. Ottokar Schwerd, Teamleiter der Berufsberatung, appelliert: „Jugendliche und junge Erwachsene, die weder einen Ausbildungsplatz noch eine tragfähige Alternative gefunden haben, sollten zwecks Beratung und Nachvermittlung umgehend Kontakt mit der Berufsberatung aufnehmen. Auch Auszubildende, die während der Probezeit ihre Stelle verlieren, sollten sich umgehend wieder bei der Berufsberatung melden, um möglichst nahtlos eine Anschlussalternative zu finden.“

Eine Terminvereinbarung bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda ist möglich unter der Service-Rufnummer 0800 4 5555 00 (kostenfrei).